Da wären wir!

21. Januar 2012

Blick von meinem Fenster aus
So, nun bin ich also am Ort meiner schlaflosen Nächte. Und ich kann euch sagen: es ist kalt. Aber dazu gleich mehr.
Nachdem ich mich für den Hinflug für die Halsabschneiderfluggesellschaft Ryanair entschieden hatte, erbarmte sich Alex liebenswürdigerweise, mich in die öde Pampa zu fahren, wo der Flughafen Hahn liegt. Nach dem Abschied, der mir wahrscheinlich am schwersten gefallen ist und fallen wird, begab ich mich sodann ins Flugzeug, wo ich aber gleich nette Bekanntschaft mit einem 22-jährigen Mannheimer machte, der seinen Kumpel momentan in Dublin besucht und in der Schule ein Jahr lang in Texas war, worüber er Spannendes zu erzählen wusste. 

Er lebte dort mit einer Familie zusammen, in der die Mutter getrennt war und ihn ständig um Erziehungshilfe ihrer drei Kinder fragte, von denen der Älteste, ein 13-Järiger, kiffte und anscheinend auch härtere Drogen nahm. Naja, gefallen hat es ihm in den USA irgendwie trotzdem... Da bin ich ja mal spontan froh gewesen, nicht in irgendeine Gastfamilie zu kommen. 

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ein Glückspilz bin? Jetzt ist es offiziell: Ich bin ein Glückspilz. Denn auf der Busfahrt saß zufällig eine junge irische Studentin neben mir, die übers Wochenende nach Sligo fährt, um eine Freundin zu besuchen. Mit ihr habe ich ein echt nettes Gespräch über Studieren in Irland und in Deutschland, irische Süßigkeiten, die ich unbedingt probieren sollte, und Männer im Allgemeinen und im Besonderen ;) geführt. Wir haben uns so gut verstanden, dass sie uns gleich zu sich nach Hause eingeladen hat, als ich von unserer geplanten Rundreise erzählte. Sie kommt aus dem County Laois ziemlich mittig in Irland. Mal schauen, ob wir bei ihr vorbeikommen können. Zum Abschied hat sie mir noch das irische Pendant zur deutschen "Gala" in die Hand gedrückt - mal schauen, ob ich damit wirklich was anfangen kann, außer damit ein Feuerchen in meinem Zimmer zu machen... 

Nach 3 1/2 Stunden in Sligo angekommen, wartete tatsächlich am Busbahnhof jemand auf mich: Gabriel, einer unserer Mitbewohner, hat mich tatsächlich abgeholt und - ganz der Gentleman - meinen Trolli von dort bis zur Haustür hinter sich hergezogen. Es sind ca. 12 Minuten Weg, aber eigentlich eine schöne Strecke, also habe ich meinen ursprünglichen Taxi-Plan dann schnell ad acta gelegt. Und meine Glückssträhne hielt an - er hatte tatsächlich noch für mich gekocht! Nach 11 Stunden ununterbrochener Reise war ich so froh, etwas in den Magen zu bekommen, dass ich wahrscheinlich auch Hundefutter gegessen hätte, aber die Kartoffelsuppe war sogar richtig gut, und er war sichtlich stolz darauf, dass er sie ganz allein zubereitet hatte. 

Und jetzt zur anderen Seite der Medaille: die Kälte. Draußen ist es eigentlich nicht so schlimm, wie ich dachte, zumindest gestern war es kaum windig und fast ein bisschen wärmer als in Deutschland - möglicherweise kommt da der gute alte Onkel Golfstrom ins Spiel. Drinnen ist es einfach nur kalt. Das liegt vielleicht daran, dass es drinnen genau genommen dieselbe Temperatur hat wie draußen. Das liegt wiederum daran, dass die Iren nach meinem Gefühl 2 Schichten Sperrholzplatten mit nichts dazwischen als Dämmung verwenden - so hört es sich jedenfalls auch an, wenn man dagegen klopft. Die Heizung funktioniert irgendwie nur in einem 2-Stunden-Intervall, so richtig heiß wird sie jedenfalls selten. Momentan sitze ich mit Top, T-Shirt, Schlafanzugjacke und Fleecejacke im Bett und meine Nase fühlt sich trotzdem so an, als würde sich gleich ein Eiszapfen dran bilden... 

Naja, das werde ich alles überleben, aber ich überlege mir schon ernsthaft, ob ich mir einen kleinen Heizstrahler kaufe, weil ich sehr empfindlich bei Erkältungen und Blasenentzündungen bin und nicht unbedingt ständig krank sein will während der Zeit hier. Der frisst dann natürlich ungemein Strom. 

Wir werden sehen. Heute zeigt mir Gabriel jedenfalls erstmal den Tesco und andere Geschäfte, die man hier als Student zum Überleben braucht, da bin ich schonmal sehr gespannt. Über das Haus und mein Zimmer werde ich morgen ein bisschen was schreiben, wenn ich die Zeit dazu finde.

Jetzt ist gerade eine riesige Krähe vor meinem Fenster gelandet und klingt vom Tonfall her so, als würde sie mich am liebsten auffressen :D Solche Krähen hab ich in Deutschland noch nicht gesehen... 

Passt auf euch auf, ihr Lieben, ich hoffe wir hören uns! 

PS: Was ich hier wirklich witzig finde, sind die Ampeln. Nicht nur mit ausgefeiltem Soundsystem, sondern auch mit sekundengenauem Countdown - man sieht, Irland ist ein High-Tech-Land!

5 Comments:

Anonym hat gesagt…

Hello Dagmar,
Danke für den ersten Bericht und Deine ersten Eindrücke. Es macht Spaß das alles zu lesen und man kann ein bisschen mitfühlen wir es Dir geht. Es erinnert mich ein bisschen an mein erstes Semester, dass ich in Emden angefangen hatte.

Schreib weiter so und bis bald!
Liebe Grüße
Birgitt

Anonym hat gesagt…

Hallo Ihr zwei,
erstmal Glückwunsch zu der gelungenen Ankunft auf der grünen Insel. Jetzt habt Ihr ein Semester lang gute Gelegenheiten alle Facetten, Land, Leute und vieles mehr zu erfahren. Ich persönlich bin mal ganz neugierig wer sich als "The Water" und wer als"The Wild" entpuppen wird. Übrigens ich hatte Schwierigkeiten "About" zu erreichen, Apple Safari erlaubt nur den Link "Impressum" zu offnen und auf Explorer sieht man die Links nur bei "mouseover", wahrscheinlich liegt das an meiner veralteten version vom MS Explorer. Mein Tipp:
"http://tothewatersandthewild.blogspot.com/p/about.html" in die Adresszeile eingeben und schon kann man eine sehr interessante Hintergrund Geschichte erlesen.

Bis Bald LG
Bertram

Anonym hat gesagt…

Hey :)
Wenn es bei euch so kalt ist, setzte ich schon mal "VIEL WAAARME Kleidung" auf meine Checkliste für den Besuch bei euch ;) Hoffentlich hast du dir bis dahin nicht die Nasenspitze abgefroren! :)
bis bald
mia

Alex hat gesagt…

Das finde ich nett, kaum in Irland und schon bekommt man Zündmaterial in Form einer Zeitschrift geschenkt! Die Iren wissen nunmal wie man gegen die Kälte vorgeht! =)
Aber sieht ja sehr nett, wenn auch leicht verschlaufen aus da! Da bin ich gespannt was ihr dann von eurem Unileben zu erzählen habt.
LG,
alex

Dagmar hat gesagt…

@Birgitt: Ich fühle mich auch wieder so, als würde ich gerade wieder mit der Uni anfangen ;) Schön, dass es dir Spaß macht! Wir lesen uns!

@Bertram: Ja, das Problem mit dem "About"-Link muss noch behoben werden, da hatte ich bisher noch keine Zeit dafür. Aber das steht auf meiner To-do-Liste für nächste Woche ganz oben auf meiner To-do-Liste! Jedenfalls danke für den Leser-Tipp!

@Mia: Nimm auf jeden Fall viel warme Kleidung mit! Das wirst du wirklich brauchen! :)

@Alex: Verschlafen? Da steppt der Bär! ;) Nein, es ist schon relativ ruhig da, aber lass dich nicht täuschen: Da die Hälfte der Erasmusstudenten in Cartron lebt, hab ich mir sagen lassen, dass es da die wildesten Partys gibt ;)

Viele Grüße an euch alle, Dagmar

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