Hiermit präsentiere ich stolz unseren ersten Gast-Blogeintrag, seines Zeichen erstellt von Alex. Have fun!
65 Tage allein in der heimischen Wohnung. 65 Tage, nachdem Dagmar und Linda Deutschland hinter sich ließen war es nun für mich an der Zeit, die Halbzeit des Erasmus-Semesters mit einem Besuch zu verschönern. Nach einem stressigen Vormittag, an dem noch der Boarding Pass in der FH gedruckt werden musste (Dank geht hierbei an die Lufthansa) saß ich um 13 Uhr im ICE nach Frankfurt, dem Flieger und damit der grünen Insel entgegen.
Wenige Stunden später setzt ich also meinen Fuß zum ersten Mal auf die irische Insel. Um einen guten Eindruck bei mir zu hinterlassen, war es ausnahmsweise sogar trocken, zwar ein wenig windig und kalt, es hätte aber weitaus unangenehmer sein können. Aber egal, ich war ja nicht wegen des Wetters in Irland. Nach ein paar Minuten bangen Wartens, war der Moment da, auf den ich mich seit 65 Tagen gefreut hatte, Dagmar holte mich in der Wartehalle ab und ich konnte sie endlich wieder in die Arme schließen.
Gemeinsam ging es dann mit dem Bus vom Flughafen in die Innenstadt Dublins und von dort nach kurzer Verwirrung auch mit dem richtigen Bus zum Ballsbridge Hotel. Dieses hatten wir in weiser Voraussicht bereits Anfang Februar gebucht, um zwei Tage in Dublin zu verbringen, bevor es nach Sligo weitergehen sollte. Hier gleich mal ein Tipp für die zukünftigen Hoteliers unter den Lesern: Instant Kaffee und Teebeutel nebst Wasserkocher auf dem Hotelzimmer. Zum ersten Mal so gesehen und sofort für gut befunden.
Nachdem mir im Vorfeld immer mal wieder vom irischen Frühstück vorgeschwärmt wurde, sollte ich mich am Donnerstagmorgen selbst von der Qualität dessen überzeugen. Und ich fasse es mal so zusammen: Cholesterin - ein guter Start in den Tag und wer will schon 80 werden. Fisch, Speck, Rührei, Fleischküchle, Würstchen, gebackene Bohnen, Bratkartoffeln. Wer braucht da noch Müsli? Auch ein netter Service des Hotels: statt Kaffeekannen auf einem Buffettisch bekam jeder Gast ein eigenes Kännchen Kaffee oder Tee für sich an den Tisch. So spart man Bewegung und konserviert die maximale Menge Kalorien für den Tag, der noch vor einem liegt.
Gestärkt ging es nun also hinein nach Dublin. Und wie es sich für Studenten gehört, natürlich zuerst zum Trinity College. Von der Queen anno dazumal für die angesiedelten Protestanten in Irland gegründet, ist es mittlerweile von Katholiken dominiert. Kein Wunder, dass ich sofort nach Betreten des Campus das Gefühl hatte, in Flammen aufzugehen. Dieses Brennen auf der Haut entpuppte sich jedoch bei genauerer Betrachtung als Sonnenstrahlen, denn das Wetter war hervorragend und das nicht nur für irische Verhältnisse. Leider war das Betreten der zahlreichen kleinen Wiesen im Innenhof des Colleges untersagt, sonst wären diese sicherlich von den vielen Sonnenbetern bevölkert worden, die sich stattdessen auf den Treppen und in den Cafés tummelten.
Da wir als vom Wetter verwöhnte Deutsche alsbald genug von der Sonne hatten, beschlossen wir, dass Book Of Kells genauer unter die Lupe zu nehmen. Wem das nichts sagt, das Book Of Kells ist wohl das bedeutendste Beispiel von Buchmalerei. Überaus aufwendig gestaltete Seiten und Verzierungen der vier Evangelien, entstanden wahrscheinlich im 9. Jrhd. in Schottland und im College zu besichtigen...zumindest zwei Originalseiten davon. Für den verlangten Eintrittspreis von 8 € in meinen Augen jedoch zu wenig. Nicht weil es nicht interessant ist, aber selbst, wenn man alle Begleittexte liest, ist man in nicht einmal einer Stunde durch. Wesentlich eindrucksvoller ist hingegen zwei Stockwerke drüber der Long Room der Universitätsbibliothek. In diesem werden mitunter die ältesten irischen Bücher sowie zahlreiche historische Gegenstände ausgestellt, bspw. die wohl älteste Harfe Irlands oder die Oster-Proklamation von 1916.
Da nun dem kulturellen Anspruch bereits genüge getan wurde, konnten wir den Rest des Tages ohne großes Programm durch Dublin schlendern, wobei wir mitunter am Dublin Castle, der City Hall und der Temple Bar vorbei kamen, bevor wir es uns auf einer Bank im St. Patricks Park gemütlich machten und uns dort noch einmal von der Sonne verwöhnen ließen. Diese hatte sich am folgenden Tag nämlich aus Dublin zurückgezogen und uns mit leichtem Regen und grauen Wolken zurückgelassen. So wurde dann auch der Trip zum Stadion "Croke Park" verworfen und der Tag mit einem Spaziergang im Merrion Square Park und entlang der Liffey verbracht, bevor es nach Sligo gehen sollte.
Beinahe beschämend, aber ich muss gestehen, dass wir die meiste Zeit in Dublin weder in St. Patricks, noch im Trinity College, sondern in Mr. Simms Olde Sweet Shoppe verbrachten. Ein kleiner Süßigkeitenladen in der Dame Street, aber wenn ich nicht eh schon aufs Geld hätte schauen müssen, ich hätte ihn wohl leer gekauft. Alles, was man sich an Bonbons, Toffees oder Fudge vorstellen kann, war dort zu finden, darunter auch die abgebildeten Nerds, Hello Kitty Schokolade, Jack Daniels Fudge sowie mit Kahlua (mmhm) gefüllte Schokolade.

Überhaupt sind es die kleinen Seitengassen und die noch kleineren Shops, die Irland sympathisch machen. Keine riesigen Modehaus-Ketten (die/der nächste, die/der einen Zara in Würzburg fordert, kriegt was zu hören) und dergleichen, keine austauschbaren Fassaden, sondern bunte, kleine Läden. Und vor allem keine "Service-Mitarbeiter" sondern freundliche Verkäufer. Man versteht mit seinem Schulenglisch zwar kaum ein Wort von dem Gebrabbel, aber Kontext regelt zumeist alles. Generell habe ich eine entspannte Atmosphäre erlebt (liegt vielleicht auch an den bereits vormittags Alkoholisierten). Kein Hupkonzert, wenn mal ein Fußgänger bei Rot über eine Ampel rennt; nette Busfahrer, die auch mal abseits der Haltestellen anhalten, um jemanden aussteigen zu lassen - ein wahrer Kulturschock also für einen Nomaden aus der Service-Wüste wie mich.
Nach den viel zu kurzen beiden Tagen mussten wir Dublin bereits wieder verlassen, aber ich bin mir sicher, dass ich Temple Bar wiedersehen werde und dann sind bestimmt nicht so viele französische Touristen unterwegs, die mir die Laune verderben...







2 Comments:
Na na na, sind die französischen Touristen wirklich so schlimm? Wer etwas mehr Zeit mitbringt, dem kann ich die Guinness Tour empfehlen. Kostet zwar 14 EUR bekommt allerdings mindestens einen halben Tag Geschichte, Braukunst und Bier satt. Hört der Ire nicht so gerne, das fränkische Bier schmeckt trotzdem am Besten:-) Was hat jetzt Bier mit Erasmus zu tun? Die Antwort kommt selbstredend. CHEERS
Nach Temple Bar solltest du auf jeden fall nocheinmal zurückkehren und einen Pub Crawl machen! Sehr empfehlenswert..:)
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